Ausgangslage und Ziele

Wer glaubt, etwas zu sein,
hat aufgehört, etwas zu werden.“ – SOKRATES

Bei der aktuellen Ortsentwicklung liegt der Fokus auf dem Ortsteil «Spirenwald». Hier sind einerseits die Herausforderungen gross, andererseits bestehen hier für die Gemeinde verschiedene Handlungsmöglichkeiten, unter anderem aufgrund gemeindeeigener Liegenschaften.

Gemäss dem Siedlungsentwicklungskonzept aus dem Jahr 2009 soll im «Spirenwald» ein Schwerpunkt mit Verwaltung, Einkaufs- und Dienstleistungsangebote sowie Tourismus- und Freizeiteinrichtungen geschaffen werden.
Mit der Zonenplanrevision vom Juni 2013 wurden Zonen mit Planungspflicht ausgeschieden und Hotelzonen überprüft. Dennoch wurden neuere Hotel- und Tourismusprojekte nicht realisiert. Mit dem Projekt «The view four season, Top of Interlaken» (Parkhotel) liegt nun für eines von drei grösseren geschlossenen Hotels ein konkretes Projekt vor. Es laufen gegenwärtig Arbeiten zur Projektoptimierung und Finanzierung.
Trotz etlicher Bemühungen liegen nach wie vor verschiedene grössere Areale mit hohem Nutzungspotenzial brach. Zudem wirken auf die Siedlungsentwicklung weitere Herausforderungen, wie Energiewende, Klimawandel, Digitalisierung oder Urbanisierung. Dabei gibt es Themen, die räumlich über den Ortsteil Spirenwald hinausgehen, denn Siedlungsentwicklung ist immer auch Gemeindeentwicklung und umgekehrt.
Der seit Anfang 2019 neu zusammengesetzte Gemeinderat möchte die Entwicklung des Ortsteils «Spirenwald» und der Gemeinde aktiv weiter vorantreiben. Das Ziel ist ein nach wie vor belebtes und attraktives Dorf für Einheimische und Gäste, das für die Zukunft gerüstet ist.

Parkhotel: Konzept. Vorprojekt.
HMS Architekten und Planer AG

Vorgehen

Der Gemeinderat hat für die fachliche Unterstützung die Firma IC Infraconsult beauftragt.
Sie hat für die weitere Ortsentwicklung und Belebung der Ortskerne in der Gemeinde Beatenberg drei Phasen vorgeschlagen (vereinfacht).

Der Prozess läuft mittlerweile in Phase III.

Projektstart, Auslegeordnung machen und Brennpunkte bestimmen, Ziele und Vorgehen festlegen, erste Visions- und Strategieinhalte sammeln (u. a. Klausur mit Gemeinderat und Verwaltungskader durchführen, Entwurf Strategie Ortsentwicklung erarbeiten)
> abgeschlossen

Die Brennpunkte wurden in der Phase I vom Gemeinderat erarbeitet.

Bedürfnisse und Vorschläge der Bevölkerung und weiterer relevanter Akteure miteinbeziehen, Massnahmen und Prioritäten bestimmen (u. a. öffentlicher Anlass und Umfrage durchführen, Strategie Ortsentwicklung überarbeiten und verabschieden) > abgeschlossen

Wordle aus der Umfrage: Je grösser ein Wort, desto häufiger wurde es an der Umfrage genannt.

Umsetzung der prioritären Massnahmen, Gewährleistung der Kontinuität, Erfolge feiern (u. a. Organisation, Termine und Finanzen klären, Arbeitsgruppen bilden, Teilprojekte starten, regelmässige Berichterstattung)
> läuft

Stern Beatenberg: Wir haben das Bild des Sterns genommen: Jeder Schwerpunkt ist ein Zacken des Sterns.

Schwerpunkte

Fünf strategische Schwerpunkte wurden festgelegt: Beatenberg TRIFFT SICH, BEWEGT, SONNT, VERDIENT und AKTIV sowie die entsprechenden Stossrichtungen und Massnahmen. Damit wird aufgezeigt und festgehalten, in welche Richtung sich die Gemeinde, die Siedlung und speziell der Ortsteil Spirenwald räumlich entwickeln sollen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Broschüre dient dem Gemeinderat und der Bevölkerung fortan als «Richtschnur».

ZIELE:

Beatenberg ist das attraktive, lebendige Bergdorf für Jung und Alt, Familien, Einheimische, Zweitheimische und Gäste. Die Menschen wohnen entsprechend ihren Bedürfnissen, treffen sich an geeigneten Begegnungsorten und haben ein Lachen im Gesicht.

STOSSRICHTUNGEN:

  • Schaffung eines genügend grossen, öffentlichen Platzes mit Aufenthaltsqualität, der als Treffpunkt funktioniert und zum Spielen animiert (z. B. Nähe Jungfraublick, Beatenberg Arena)
  • Gestaltung eines zeitgemässen Dorfkerns mit Einrichtung von Sitzbänken, Bäumen, Blumen, Brunnen, Freiräumen und zugänglichen Aussichtspunkten unter Berücksichtigung des traditionellen Ortsbildes (z. B. Schaffung eines Parks,
    Möblierungskonzept)
  • Förderung und Koordination von wiederkehrenden Anlässen verschiedener Art sowie Stärkung des Zusammenhalts zwischen den Generationen, Einheimischen, Zweitheimischen und Gästen (z. B. monatliches Kino, Open-Air-Konzert)
    Verstärkter Einbezug von Kindern und Jugendlichen in die Ortsentwicklung und Ermöglichung von einigen zusätzlichen, altersspezifischen und bedürfnisorientierten Angeboten (z.B. Bau eines Pumptracks)
  • Prüfung einer aktiven Wohnraumförderung für die unterschiedlichen Bedürfnisse von bezahlbaren Wohnungen über Begegnungsräume bis Atelier oder Werkstatt (z. B. Projekt Mehrgenerationenhaus, Wohnbaugenossenschaft)

ZIELE:

In Beatenberg gibt es sichere, attraktive Strassen, Wege und ideale Transportmittel für die unterschiedlichen Mobilitätbedürfnisse sowie verkehrsberuhigte Ortskerne. Die vier Ortsteile sind gut miteinander verbunden und die Verbindungen in die regionalen Zentren optimiert.

STOSSRICHTUNGEN:

  • Steigerung von Sicherheit und Attraktivität für Fussgänger und Velofahrerende entlang oder parallel der Dorfstrasse (z. B. strassengetrennte Panorama-/Spazierwege, Velostreifen, Flanierzone)
  • Stärkung der Verkehrsverbindungen zwischen den vier Ortsteilen und von/nach Interlaken sowie Thun unter Berücksichtigung der neuen Mobilitätsbedürfnisse (z. B. Pendel-Bus, E-Veloverleih, Ruftaxi, Mobility, Haltestellen)
  • Optimierung der bestehenden Parkierung auf dem Wydi-Parkplatz sowie Aufwertung der Platzgestaltung (z. B. optische Abtrennung zu Hauptstrasse, Prüfung Neubau Parkhaus und andere Zufahrt «obere Matte»).
  • Prüfung von verkehrsberuhigenden Massnahmen auf der Dorfstrasse im Bereich der Ortskerne in Abstimmung mit allfälligen Gestaltungsmassnahmen (z. B. Temporeduktion, Bodenmarkierungen)
  • Verbesserung der Situation rund um die Mehrbelastung durch den Tourismusverkehr, wie Reisecars, Gleitschirm-Busse, Quad-Touren (z. B. Beschilderung, Leitsystem, Park und Ride)

ZIELE:

Beatenberg ist weitum bekannt für seine einmalige Lage, das grossartige Panorama, die hohe Natur- und Landschaftsqualität sowie den grossen Erholungswert. Die Gemeinde nutzt seine Vorteile als Sonnenterrasse und setzt zunehmend auf erneuerbare Energien und Gesundheit.

STOSSRICHTUNGEN:

  • Stärkere Inwertsetzung der Lage und Aussicht, der bestehenden Landschaftsqualitäten, der Umwelt- und Gesundheitsaspekte sowie der Verbindung von Landwirtschaft, Tourismus und Natur (z. B. Werbung, konkrete Projekte)
  • Förderung von Energiesparmassnahmen und erneuerbaren Energien sowie Steigerung der Energieeffizienz bei Sanierung und Neubau von gemeindeeigenen Liegenschaften (z. B. Vorbildfunktion, Mobilitätsmanagement, langfristige Wirtschaftlichkeit)
  • Schaffung eines Wärmeverbunds und verstärkte Holznutzung für Wärmeproduktion oder Bau zur Steigerung der regionalen Wertschöpfung (z. B. etappiertes Vorgehen, grosser Verbraucher gewinnen, gemeindeeigene Liegenschaften anschliessen)
  • Unterstützung von Privaten und lokalen Unternehmungen bei Gebäudesanierungen (z. B. unabhängige Energieberatung, Energieanlässe)
  • Prüfung einer Teilnahme bei einem nationalen Energie-Programm oder bei einem Pilotprojekt zum Thema Energie (z. B. Energiestadt, 2000-Watt-Gesellschaft, Energieschulen oder Smart City)

ZIELE:

In Beatenberg gibt es zeitgemässe Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe für ein breites Gästesegment im Dorfzentrum. Das stabile und diversifizierte Gewerbe hat ein hohes Qualitäts- und Dienstleistungsbewusstsein. Einheimische und Gäste bevölkern ganzjährig die vielfältigen Geschäfte an der Dorfstrasse und leisten über ihr Konsumverhalten einen aktiven Beitrag zur lokalen Wertschöpfung. Der Tourismus ist naturnah, gesundheits- und familienorientiert.

STOSSRICHTUNGEN:

  • Unterstützung von Hotelprojekten und weiteren, wichtigen Gastronomie- und Beherbergungsabsichten, die eine nachhaltige, touristische Entwicklung des Ortes fördern (z. B. Liegenschaftserwerb Beauregard/Jungfraublick, Kontaktaufnahme mit Immobilienentwicklern/Investoren, neues Restaurant, längere Aufenthalte)
  • Erhalten der bestehenden Einkaufsmöglichkeiten und Förderung von neuen, vielfältigen Gewerbe- und Dienstleistungsangeboten mit Qualitätsbewusstsein sowie des Konsums vor Ort (z. B. grösserer Detaillist, Dorfläden, Märit, «Einkaufsmeile», abgestimmte Öffnungszeiten)
  • Schaffung von idealen Rahmenbedingungen für die verschiedenen, bestehenden Wirtschaftsbranchen zur Steigerung der lokalen Wertschöpfung (z. B. Arbeitszonen, Prüfung Steuersenkung, Businessclub)
  • Förderung von innovativen, zukunftsorientierten Ideen, Projekten und Geschäftsmodellen (z. B. gemeinsam genutzte, öffentlich zugängliche Arbeitsplätze mit guter IT-Infrastruktur, Digitalisierung, neue Unternehmungen)
  • Förderung einer nachhaltigen, naturnahen und familienorientierten touristischen Entwicklung (z. B. Länge des Dorfes als Chance für «Slow Tourism», Ferien auf dem Bauernhof, altersgemässe Sport-, Kultur- und Gesundheitsangebote)

ZIELE:

In Beatenberg gibt es eine zur Gemeinde passende und mit der Tourismusregion abgestimmte Auswahl an Sport- und Freizeitangeboten sowie entsprechende Infrastrukturen. Ein Hauptfokus liegt beim Sommer- und Winterwandern. Einheimische und Gäste engagieren sich vor Ort und tragen den guten Ruf von Beatenberg als einzigartigen Wohn-, Arbeits- und Freizeitort nach aussen.

STOSSRICHTUNGEN:

  • Sanierung und Aufwertung oder Neubau des Mehrzweckgebäudes unter Berücksichtigung der verschiedenen Nutzerbedürfnisse und der zukünftigen Beherbergungsentwicklungen (z. B. attraktiveres Hallenbad oder Umnutzung für andere Angebote, Überprüfung Organisationsform, Gesundheitsangebote)
  • Erweiterung des Angebots an Freizeitinfrastrukturen für Sommer- und Winteraktivitäten In-door wie Outdoor (z. B. Wander-, Spazier- und Themenwege, Bike-Routen, Trottinett-Strecken, Badeteich, Kletterpark, Billard-Halle, Kino oder Sauna)
  • Verstärkter Einbezug von Gästen, Zweitheimischen und weiteren Partnern in die Ortsentwicklung und das aktive Dorfleben sowie Steigerung der Offenheit und gegenseitigen Wertschätzung (z. B. Anlässe in ungezwungenem Rahmen, Begegnungsort, Gründung Netzwerk)
  • Prüfung einer Erneuerung oder Ergänzung von touristischen Transportanlagen und Umgang mit dem Gleitschirm-Tourismus (z. B. Sommerbetrieb Spirenwald-/Hohwald-Lift, Vision Pendelbahn Unterseen-Waldegg-Hohwald als Zubringer, Gleitschim-Flugticket-Abgabe)
  • Schärfung des Profils von Beatenberg als einzigartigen Wohn-, Arbeits- und Freizeitort mit hoher Lebensqualität (z. B. Medienmitteilungen, Nutzung Social Media, Imagekampagne, Gemeinde-App)

Massnahmen

Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer,
der wusste das nicht und hat es einfach gemacht. UNBEKANNT

An einem weiteren Klausurtag zum Thema Ortsentwicklung hat sich der Gemeinderat mit der Umsetzung der Strategie und Stossrichtungen auseinandergesetzt. Diskutiert wurden Grundlagen, Ressourcen, Zuständigkeit, potentielle Partner, geschätzte Kosten, geeignete Instrumente, Start-/Endpunkt sowie Chancen und Risiken. Daraus ergaben sich folgende acht Themen/Massnahmen, die der Gemeinderat konkret weiterverfolgt (Reihenfolge nach absteigender Priorität, die sisitierten Massnahmen werden später in Angriff genommen):

  • Massnahme #1: Arealentwicklung Jungfraublick/Beauregard

    Die Gemeinde steuert die Entwicklung des Areals proaktiv. In gut koordinierter, konstruktiver Zusammenarbeit zwischen Projektentwicklern, Investoren, Betreiberin und Vermarkter wird bis 2024 ein nachhaltiges, touristisches Beherbergungsprojekt im Zentrum von Beatenberg realisiert, inkl. öffentlicher Angebote und in Abstimmung mit Mehrzweckgebäude.

    Umsetzung läuft > Zur Projektwebseite

  • Massnahme #2: Attraktive Freizeit- und Tourismusinfrastrukturen

    Die bestehenden Freizeit- und Tourismusinfrastrukturen sind gut unterhalten, und entsprechen den aktuellen Bedürfnissen der Nutzenden. Sie werden um neue, attraktive und im besten Fall einzigartige sowie finanziell tragbare In-door- wie Outdoor-Angebote erweitert (u. a. für Kinder und Jugendliche).

    Umsetzung ab Mitte 2021 > Zur Projektwebseite

  • Massnahme #3: Aufwertung der Dorfstrasse

    Der Strassenraum im Ortskern von Spirenwald – von Fassade zu Fassade – ist zeitgemäss gestaltet, verkehrsberuhigt und nimmt Bezug auf das baukulturelle Erbe sowie die Bedürfnisse der Ladenbesitzer. Die Dorfstrasse lädt zum Fla-nieren ein und es gibt Orte mit spezifisch hoher Aufenthaltsqualität.

    Umsetzung frühestens Mitte 2022

  • Massnahme #4: Energiedorf auf Sonnenterasse

    Die Gemeinde Beatenberg verfügt über eine angemessene Energiestrategie und verfolgt innovative Projekte, die auf erneuerbaren Energieträgern basieren wie Wasser, Holz oder Sonne. Die Bevölkerung ist speziell gut im Bild über Themen wie Energiesparen, Sonnenenergie, Klima und Aussicht.

    Sisitiert | Als Sofortmassnahme wird ab Sommer 2021 eine Energieberatung eingerichtet.

  • Massnahme #5: Wirtschaftsentwicklung und Standortmarketing

    In der Gemeinde gibt es ideale Rahmenbedingungen für die verschiedenen Branchen. Regionale Wertschöpfungsketten ermöglichen eine nachhaltige Wertschöpfung. Beatenberg ist für innovative Produkte und Dienstleistungen mit hoher Qualität über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.

    Sistiert | Wirtschafthilfe und Hilfe bei Läden und Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein wird ständig verfolgt

  • Massnahme #6: Stärkung Netzwerke und Zusammenhalt

    Ein stabiles und breites Netzwerk an interessierten Personen (Einheimische, Zweitheimische, Behörden, Fachleute usw.) unterstützen den Prozess der Ortsentwicklung mit Engagement, Offenheit und gegenseitiger Wertschät-zung zum Wohl der Bevölkerung und der Gäste von Beatenberg.

    Sistiert

  • Massnahme #7: Aktive Wohnraumförderung

    In Beatenberg existiert ein genügend grosses Angebot an zeitgemässen, bezahlbaren Wohnungen für die unterschiedlichen Bedürfnisse, speziell diejenigen von Familien und ältere Personen.

    Sistiert

  • Massnahme #8: Optimale Verkehrsverbindungen

    Die vier Ortsteile sind gut miteinander verbunden und die Verbindungen in die regionalen Zentren Interlaken und Thun sind optimiert. Die neuen Mobilitätsbedürfnisse sind dabei berücksichtigt.

    Sisitiert

Bei mehreren Massnahmen sind erste Arbeiten bereits angelaufen. Zudem wurde das Gefäss «Sofortmassnahmen» geschaffen. Dabei geht es darum, dringende, relativ einfach umsetzbare und finanziell vertretbare Projekte, parallel zur Umsetzung der obigen Massnahmen, voranzubringen und sichtbare Ergebnisse zu erreichen.

Die ganze Umsetzung (Phase III) wird in einer Broschüre beschrieben.

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